Ist der Leveraged Buyout modernes Raubrittertum?



Was ist ein "Leveraged Buyout"
Die Übernahme eines Unternehmens, die durch Schuldenaufnahme finanziert wird. Wenn ein Unternehmen ein anderes aufkaufen möchte, aber nicht genügend Eigenkapital für die Finanzierung hat, was bei den Summen nicht verwundert, erfolgt ein Leveraged Buyout (LBO). Diese fehlende finanzielle Hebelwirkung (leverage engl: Hebel) wird dann durch Kreditaufnahme oder durch die Ausgabe von Unternehmensanleihen hergestellt. Nach einem erfolgreichem Abschluss des LBO werden häufig Teile des übernommenen Unternehmens verkauft, um die Schulden zu tilgen.

Link zu LBO im Wikipedia


Link zu weiteren New-Economy Begriffen:








Schritt 3:

Da eine solche hoch verschuldete Firma bei den Banken nicht die besten Konditionen bekommt, hat Opfer hohe Zinslasten zu tragen. Opfer muss auch die zu hohen Schulden abtragen. Opfer muss hohe Gewinne machen, dazu werden allerlei Sparmassnahmen (z.B. Personalabbau, Reduktion der Entwicklungskosten, Verlagerung der Produktion in Billiglohn-Länder etc.) Mit dem Verkauf von Tafelsilber z.B. Verkauf und Zurückmieten der Liegenschaften,Verkauf von Geschäftsbereichen.. werden die zu hohen Schulden verringert. In der Bilanz drücken auch die zu hohen immateriellen Werte. Diese Werte werden in schlechteren Zeiten schnell zu einer Seifenblase und führen zu einer Überschuldung.

Schritt 4:
Nun kann Hai die Firma Opfer an die Börse bringen. Sie wird es erst tun, wenn der Börsengang einen erheblichen Gewinn verspricht. Erinnere Hai hat bis jetzt nur 150 Mio in Opfer investiert! Ein solchen Unternehmen hat einen Umsatz von etwa 1 Mia und sollte eine Börsenkapitalisierung von mind. 1 Mia erreichen. Hai bekommt also seinen Einsatz 6-fach zurück!

Kommentar von Habi:
Mit dem Leveraged Buyout werden die Firmen ausgeweidet und zukünftige Gewinne abgeschöpft. Wo gibt es denn so etwas? Tornos wurde so abgehandelt. Nach der Übernahme durch DH hatte Tornos 75 Mio mehr Schulden. Später nach dem Börsengang mussten die vielen Kleinaktionäre eine Nennwertreduktion von 100 auf 10 Fr. hinnehmen.Die Lieferanten mussten 25 % der Guthaben ans Bein streichen und für weiter 25% Aktion zum Nennwert von 10 Fr übernehmen (Der Kurs war damals um die 6 Fr). Der Goodwill von über 20 Mio Fr. musste, weil nicht werthaltig, abgeschrieben werden.
Ein anderes Beispiel ist Geberit, diese gute florierende Unternehmen hat rund 600 Mio selber an den Kauf bezahlt.
1998 hatte geberit bei einem Umsatz von etwa 1 Mia hohe 751 Mio Fr Schulden. Die Bilanz wurde mit immatriellen Werten von über 581 Mio. geschönt. Mit den guten Ergebnissen der letzten Jahre werden die Schulden von 751 Mio im Jahr 1999 inzwischen stark abgebaut. Die imatriellen Werte liegen immer noch bei etwa 500 Mio Fr.

Schlussfolgerung:
Leveraged Buyout`s wie oben beschrieben sollte gesetzlich verboten werden. Da die Ethik hier nicht zum Tragen kommt, ist die Politik gefordert.
Bis dahin liebe Aktionäre schaut in den Bilanzen auch nach den Zeilen „immaterielle Werte“ oder „Goodwill“ und „Fremdkapital“. Z.B. Nestle hat mit seinen vielen sehr starken Marken und Produkten nur 2,852 Mia immaterielle Werte aktiviert. Das sind 5,7% vom Eigenkapital oder 3,13% vom Umsatz, bei Geberit sieht das ganz anders aus!